Unternehmen verschließen die Augen vor den Gefahren durch
Spionage oder kriminelle Mitarbeiter. Gerade in Krisenzeiten sinkt die
Loyalität der Mitarbeiter stark. Es geht nur noch ums Überleben.
Das Geschäftsklima verschlechtert sich. Die Finanzkrise hat
die Realwirtschaft längst erreicht. Betroffen davon ist vor allem der
Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Trotz wachsender Gefahren
vernachlässigen viele Unternehmen aber wider besseres Wissen ihr
Krisenmanagement.Das entlarvt das "Gefahrenbarometer 2010" der
Unternehmensberatung Corporate Trust. Kurzarbeit und Entlassungen drücken das
Betriebsklima, die Verbundenheit mit dem Unternehmen leidet. Mangelnde
Loyalität ist häufig die Triebfeder für Kriminalität im Unternehmen.Diebstähle, Unterschlagungen, Korruption oder Sabotage
nehmen zu - nicht nur im Unternehmen, auch unter der Konkurrenz. Thomas Menk,
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW), ist
sich sicher: "Die verschärften Bedingungen auf dem Markt führen zu einem
noch brutaleren Wettbewerb." Der werde mit allen Mitteln geführt. "Es
geht um den natürlichen Trieb des Überlebens."
Mittelständler sehen große Risiken in Spionage und
Informationsabfluss
Corporate Trust hat 5154 mittelständische Unternehmen zu den
Gefahren befragt. Die Ergebnisse sind alarmierend. Aktuell entstehen den
Unternehmen die größten Schäden durch Eigentumsdelikte - Diebstahl, Einbruch
und Überfall. Doch das wird sich ändern. Zukünftig sehen mehr als die Hälfte
der Mittelständler Spionage und Informationsabfluss als die größten Risiken an.Bedrohlich nimmt auch die Gefahr durch Hacker zu - jedes
zweite Unternehmen fürchtet sich vor Angriffen über das Computernetz. Dennoch
wollen nur 30 Prozent der Befragten in den kommenden zwei Jahren in
IT-Sicherheit investieren. Korruption hingegen sehen nur noch 29 Prozent der
Unternehmen als reales Risiko.Erschreckend: Nur 17,7 Prozent der Mittelständler verfügen
über ein professionelles Krisenmanagement. Dabei ist gerade der Mittelstand
bevorzugtes Angriffsziel bei Wirtschaftsspionage und Kriminalität. Laut
Corporate Trust sind größere Mittelständler mit einem Umsatz von 50 bis 250
Mio. Euro häufiger Opfer als Kleinunternehmen und Konzerne.
Die Gefahren durch kriminelle Mitarbeiter werden noch
steigen
Viele Firmen verschließen vor dem Thema
Wirtschaftskriminalität die Augen. Sie unterschätzen die Gefahr, selbst Opfer
zu werden, und vernachlässigen daher die Prävention. Auch das damit verbundene
finanzielle Risiko blenden viele Unternehmen aus. Nur 47,8 Prozent der
Befragten gaben an, eine Versicherung gegen kriminelle Risiken wie
Wirtschaftskriminalität, Spionage, Entführung oder Erpressung zu haben.Gerade der Abfluss von vertraulichen Informationen
verursacht großen Schaden. Dennoch verzichtet jedes zweite Unternehmen auf
klare Vorgaben im Umgang mit Daten und Dokumenten. Nur 39,8 Prozent der
Betriebe haben eine Klassifizierung der Geheimhaltungsstufe. Um die Mitarbeiter
zu sensibilisieren, planen jedoch 53 Prozent der Unternehmen Schulungen zu den
Risiken durch Wirtschaftskriminalität.Eine notwendige Maßnahme, gehen Experten doch davon aus,
dass insbesondere die Gefahr durch kriminelle Mitarbeiter steigen wird. Denn
durch Kürzungen und Sparmaßnahmen laufen viele Angestellte Gefahr, selbst in
finanzielle Schieflage zu geraten.
Loyalität und Verbundenheit müssen für Unternehmen wichtiger
werden
"Für die Firma ist es wichtig zu erfahren, wie loyal
die Mitarbeiter sind, wo die Schwachstellen liegen und woran man arbeiten
sollte, um eine höhere Verbundenheit zu erzielen", sagt Christian Schaaf,
Geschäftsführer von Corporate Trust.Eine Möglichkeit sieht er in gezielten
Mitarbeiterbefragungen, durch die ein sogenannter Loyalitätsindex erstellt
werden kann. Einem Röntgenbild ähnlich, zeige der Index, ob es in bestimmten
Bereichen des Unternehmens Auffälligkeiten gebe.Sollte ein Unternehmen Verdachtsmomente gegen einen
Mitarbeiter haben, rät Alexander Haudan, von der Wirtschaftskanzlei Taylor
Wessing, zu einem besonnenen Verhalten. "Wichtig ist, Ruhe zu bewahren,
den Täter von weiteren Informationen zu isolieren und den Fall der
Staatsanwaltschaft zu übergeben."