Eine praxisorientierte Weiterbildungsmaßnahme zum Thema Observation und Gegenobservation fand vom 18.- 21.11.2008 im Bildungsinstitut Brückner (BIB) statt.
Bernd Brückner als Inhaber des BIB war jahrelang im behördlichen Personenschutz tätig. Das BIB ist eine vom Bundesverband Deutscher Wach-und Sicherheitsunternehmen e.V. (BDWS) zertifizierte Sicherheitsfachschule für die Aus- und Weiterbildung von Objekt-und Personenschützern. Innerhalb des Ausbildungsangebotes hat das BIB bereits mehrfach im Rahmen der Detektivausbildung Veranstaltungen ähnlicher Art (u.a. mit dem Sender RTL) durchgeführt.
Dieses Seminar leitete Diplomjurist Rainer Mundt, Inhaber des „Observationsdienst Berlin“. Mundt ist anerkannter Experte für Observation. Sein theoretisches und praktisches Können resultiert aus langjähriger Tätigkeit als Ausbilder und Leiter von Observationsteams. Er stand bis Herbst 2008 das Unternehmen Nortec Security Concepts GmbH vor.
Ziel der Weiterbildungsmaßnahme war es, den Teilnehmern fundierte theoretische Erkenntnisse zum Observationsprozess zu vermitteln und sie zu befähigen, in der Praxis ihrer detektivischen Arbeit die Observation zielführender und auf höherem Niveau zu realisieren. Verschiedene Praxisübungen bewiesen, dass dieses Ziel erreicht wurde, aber auch ein ständiger und differenzierter Fortbildungsbedarf für die verschiedenen Etappen und Formen einer Observation besteht.
An Seminar beteiligten sich neben Detektiven aus Berlin auch namhafte Berufskollegen aus der Schweiz. Von erfahrenen Detektiven wurde betont, dass die Veranstaltung ein hohes Niveau besaß. Berufskollegen mit geringerer Praxiserfahrung äußerten, dass ihnen der Lehrgang zahlreiche Impulse für eine professionellere Gestaltung ihrer Observationsmaßnahmen vermittelt konnte.
Die umfangreiche Theorie erfolgreicher und professioneller Observation wurde von Rainer Mundt mit zahlreichen Praxisbeispielen verständlich gemacht. In Gruppenarbeit konnten die Teilnehmer deren Umsetzung in verschiedenen fiktiven Praxissituationen erproben. Die Seminarteilnehmer erkannten dabei Schwächen ihrer bisherigen Praxis und erschlossen sich neue Möglichkeiten, um komplizierte Situationen der Beobachtung erfolgreich, vor allem bei sicherer Wahrung der Konspiration, zu meistern.
Der gesamte Observationsprozess wurde hinsichtlich seiner Stärken, aber auch seiner Schwächen minutiös durchleuchtet. Aus einer Vielzahl von Fällen wurde die Einsicht vermittelt, dass die Ursachen von Dekonspirationen oft in einer Unterdimensionierung des Kräftepotenzials, häufiger jedoch im unprofessionellen Verhalten und Handeln der Kräfte liegen. Das Anpassungs- und Wandlungsvermögen vieler Observationskräfte ist oft unzureichend ausgeprägt und das Zusammenspiel im Team genügt nicht immer den hohen Erfordernissen. Solcherart unprofessionelles Agieren führt dazu, dass die unwillkürliche Aufmerksamkeit der Zielpersonen zur willkürlichen und zielgerichteten Wahrnehmung wechselt. Damit werden die Möglichkeiten einer begleitenden Observation stark eingeschränkt.
Es wurde deutlich, dass zuverlässige Ergebnisse nur zu erreichen sind, wenn sie unter strikter Wahrung der Konspiration zustande kommen und die Selbstkontrollen der Gegenseite erfolglos bleiben.
Viel Wert wurde im Verlauf der Schulung auf die Bestimmung des operativ-taktischen Vorgehens, die Bewältigung der kompliziertesten Phasen und Anforderungskomplexe, die Kernpunkte für das Verhalten und Handeln der Observationskräfte und die effektive Anwendung operativer Einsatztechnik gelegt.
Unter dem Aspekt erhöhter Konspiration von Observationen wurde das Interesse der Teilnehmer auf folgende Schwerpunkte gelenkt:
1. Erarbeitung von Wissen über die Zielperson:
- In welchem Umfang ist sie für eine Observation sensibilisiert ?
- Was ist bei der Observation „exponierter Personen“ zu beachten ?
- Wie sind erkannte Absicherungsmaßnahmen / Aufklärungsmaßnahmen der Zielperson für den gesamten detektivischen Auftrag zu werten?
2. Wertung der Ausgangsinformationen und Beschaffung erforderlicher Ergänzungen für effiziente und zielführende Observation:
- Studium von Verhaltensweisen der Zielpersonen;
- Abklärung bzw. Studium von Handlungsräumen;
- Festlegung bzw. Korrektur von Beobachtungsvarianten.
3. Realisierung anspruchsvoller Phasen von Observationen:
- Erst- und Wiederaufnahme von Zielpersonen einer Observation;
- Folgen der Observationskräfte zu Fuß und in öffentliche Verkehrsmittel;
- Nachziehen von Fahrzeugen und Fahrzeugobservierung;
- Aufklärung von Kontaktpersonen und Feststellen von Anlaufstellen und Verstecken;
- Einsatz technischer Mittel zur Konspirierung von Observationen.
4. Verhalten der Observationskräfte:
- Individuelle Vorbereitung;
- Studium des Verhaltens von Zielpersonen;
- Nutzung von Tarnungs- und Deckungsmöglichkeiten;
- Nutzung von Aufenthalts- und Ermittlungslegenden;
- Regeln für richtiges operativ-taktisches Verhalten.
5. Einsatz von Detektivtechnik:
- Dokumentation bei Objektabsicherungen;
- Erfassung von Personen- und Fahrzeugbewegungen;
- Dokumentierung von Handlungen bei begleitenden Observationen.
6. Sicherungsverhalten und Durchführung von Gegenobservationen:
- Zielpersonen sind bei Beginn einer Bearbeitung oft hochsensibilisiert, können bezüglich der Aufspürung von Observationen geschult sein, bzw. als „exponierte Personen“ abgesichert werden;
- Observationskräfte sollen identifiziert werden. Die Zielperson will sich gegebenenfalls einer begleitenden Observation entziehen;
- Sicherungsverhalten geht davon aus, dass die Zielperson unter Kontrolle gestellt worden ist oder gestellt werden könnte und sich aus der Umklammerung einer Observation entzieht;
- Gegenobservationen werden durch beauftragte Außenstehende oder Institutionen geführt, um festzustellen oder auszuschließen, dass eine Personenkontrolle erfolgt;
- Erwartungsbeobachtungen werden von diesen „Außenstehenden“ an möglichen Aufnahmepunkten, Straßen und Geländeabschnitten durchgeführt;
- Es erfolgen „Provokationen“, um vermutete Beobachtungskräfte aus ihren Deckungen zu locken und an bestimmten Handlungen zu erkennen;
- Arbeit mit Kontrollstrecken führt die Observation in Schneisen, in denen der Fahrzeug- und Personenverkehr festgestellt werden kann. Es handelt sich um Fallen, die seitens der Observanten häufig nicht erkennbar sind;
- Kontrolle einer begleitenden Observation ist die aufwändigste und im Regelfall uneffektivste Art einer Gegenobservation. Jeder Observant und jedes Observationsfahrzeug würde zu einem eigenständigen Zielobjekt werden und müsste durch ein Observationsteam bearbeitet werden.
7.Verhalten bei Dekonspirationen:
- Vorbereitung auf ein evtl. Ansprechen durch die Zielperson
- zweckmäßiges Verhalten nach Dekonspirationen;
- Beispiele aus der Praxis zeigen, dass Observanten bei Ansprachen durch Zielpersonen, Außenstehende und Behörden oft mehr als notwendig offenbaren, ohne damit glaubwürdiger zu werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Fortbildung war das Training zum Sicherungsverhalten und zur Arbeit mit Kontrollstrecken. Die Anforderungssituationen wurden praxisnah simuliert. Zu allen Anforderungen erfolgten eine detaillierte Unterweisung und anschließende Demonstrationsübungen.
Die entscheidenden Handlungen standen unter Kontrolle des Lehrgangsleiters, dessen Assistenz und eingesetzter Videotechnik. Bewertet wurden die individuelle Leistungsfähigkeit beim Training und das Arbeiten im Team. Bei der Umsetzung der vermittelten Theorie in die Praxisübungen wurden gute bis sehr gute Ergebnisse erreicht.
Herausforderung und zugleich Höhepunkt war die komplexe Abschlussübung. Hier wurden die Teilnehmer mit einer Vielzahl von Aktivitäten der Zielperson konfrontiert, von angewandten Selbstkontrollen bis zu Versuchen sich der Observation zu entziehen.
Zum Abschluss der Ausbildung befragt, schätzten die Teilnehmer ein, dass dieses Seminar ein voller Erfolg war.
Das BildungsInstitutBrückner erhielt für weitere diesbezügliche Veranstaltungen bereits Anfragen aus der Schweiz und Österreich, die im II. Quartal 2009 realisiert werden sollen.