Die englische „Sun“ veröffentlicht Paparazzi-Fotos von Elisabeth Fritzl und ihrer Tochter Lisa.
Knapp zehn Monate nach Bekanntwerden des Dramas von Amstetten sorgen nun erste Bilder der Opfer für Aufsehen. The Sun, Englands auflagenstärkste Zeitung, hat am Montag zum ersten Mal Fotos von Elisabeth Fritzl (43) veröffentlicht. Auf den Seiten 12 und 13 prangt die Überschrift: „Fresh air ... fresh start - Elisabeth and Kids rebuild their lives.“ Übersetzt: „Frische Luft ... Neuer Anfang. Elisabeth und die Kinder beginnen ein neues Leben.“
Abgemagert
Auf den Fotos ist Elisabeth zu sehen, zusammen mit ihrer 16-jährigen Tochter Lisa. Beide spazieren eine Straße entlang, in der Hand ihre Einkäufe in Plastiktaschen. "Vollkommen abgemagert, versteckt sich Elisabeth an einem geheimen Ort. Sie geht nur ins Freie, wenn sie ihre Kinder von der Schule abholt. Ihre Haut ist noch immer blass, weil sie so lange kein Tageslicht gesehen hat. Und ihr Gang ist immer noch gebückt, weil sie sich zwei Jahrzehnte lang den Kopf an der niedrigen Kellerdecke gestoßen hat“, schreibt der britische Sun-Reporter. Offensichtlich hat ein Paparazzo vor dem neuen Zuhause der Opferfamilie aufgelauert und abgedrückt, ohne dass Elisabeth und ihre Tochter es merkten. Rund 4,5 Millionen Exemplare hat die Sun am Montag in Großbritannien verbreitet, den ganzen Tag liefen die Fotos - übrigens nur notdürftig verscannt - auf Fernsehkanälen wie BBC und Sky News, andere Zeitungen zogen unmittelbar nach. Es sind die ersten Bilder der Fritzl-Opfer, die jetzt veröffentlicht wurden. Elisabeth wurde von ihrem Horror-Vater fast ein Vierteljahrhundert in einen Keller gesperrt, 3.000 Mal vergewaltigt und musste dort ohne medizinische Hilfe sieben Inzest-Kinder gebären. In England ist die Fritzl-Story seit Monaten das dominierende Boulevard-Thema. Elisabeth Fritzl und ihr Anwalt hatten wiederholt gebeten, von Bildern, auf denen sie im neuen Leben erkennbar ist, Abstand zu nehmen.
Weiterverkauf
30 Tage vor dem Sensationsprozess in St. Pölten, bei dem sich Josef Fritzl für sein Jahrhundertverbrechen verantworten muss, will die Sun die Fotos international vermarkten - bietet sie in Skandinavien und Deutschland unverscannt zum Kauf an. Alle Beteiligten sind sich einig: Es handelt sich bei den Fotos wirklich um Elisabeth Fritzl und ihre Tochter, die unter neuem Namen an einem nicht genannten Ort in Oberösterreich leben. (...)
Nicht im Internet
Medienrechtlich dürfte dieser Fall brisant werden: Die Fotos wurden bisher nur in England veröffentlicht. In Österreich und Deutschland wurde die Sun am Montag offenbar bewusst nicht ausgeliefert. Auch auf der Homepage der Zeitung findet man die Fotos nicht. Ob Elisabeth Fritzl in London gegen die Veröffentlichung der Bilder klagt, ist offen.
Die Anwälte der Familie, Eva Plaz und Christoph Herbst, meldeten sich unterdessen zu Wort:
"Eva Plaz und Christoph Herbst teilen im Namen ihrer Mandantin und derer Kinder mit, dass die stattfindenden beharrlichen Versuche von MedienvertreterInnen, mit ihr und/oder ihren Kindern in Kontakt zu kommen, eine unzumutbare Beeinträchtigung ihres Lebens in Freiheit darstellen. Unsere Mandantin und ihre Kinder wünschen keinen Kontakt mit der Presse. Sie werden keine Interviews geben, sie haben keine Zustimmung zur Veröffentlichung von Bildern und/oder ihre Person betreffenden Inhalten erteilt und werden keine erteilen."
Quelle: Österreich, 13.2.2009
URL zum Artikel: http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/Wirbel_um_neue_Fritzl-Fotos_431377.ece