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Die finanziellen Probleme habe er seiner Famile ersparen wollen, sagte der 39-Jährige. Angeklagter: "Leben wäre Hölle geworden"
"Der Tod ist der Ausweg", sagte er dann. "Der Tod wird so sein wie vor unserer Zeugung, ein Idealzustand." Die finanziellen Probleme habe er seiner Familie nicht zumuten wollen: "Der Schmerz, der wäre so gigantisch gewesen." Es sei nicht "eiskalt geplant" gewesen: "Dann hätte ich es anders gemacht", so der Angeklagte.
Es sei auch nicht geplant gewesen, dass er noch zu seinen Eltern fährt - aber er hätte die Mutter nicht mit dem Schmerz allein lassen können: "Bitte, denken Sie sich hinein, meine Mutter hat so schon wegen jeder Kleinigkeit Angst gehabt. Das Leben wäre die Hölle geworden für meine Eltern." Das Gleiche hätte auch für seinen Schwiegervater gegolten. "Mir persönlich ist es egal, was da heute verhandelt wird. Ich sehe mich nicht mehr dem österreichischen Gesetz unterworfen. Mich kann man nicht mehr bestrafen." Er wünsche sich eine "lebenslange Haftunterbringung - wenn ich schon leben muss". Er sei "überrascht, wie angenehm es im Gefängnis ist. Die Haft ist keine Strafe für mich", sagte der Angeklagte
Motiv: Hoher Schuldenberg
Vor rund zehn Jahren hatte der Angeklagte damit begonnen, mit Aktien zu spekulieren. Zunächst hatte er damit durchaus Erfolg. Sein Aktiendepot wies 2001 ein Guthaben von 150.000 Euro auf.
Als seine Tochter geboren wurde, benötigte er mehr Geld und ließ sich auf riskantere Spekulationen ein. Dafür nahm er einen Kredit auf und investierte sein gesamtes Eigenkapital. 2008 waren nur noch 600 Euro an Vermögen, dafür aber Verbindlichkeiten von 350.000 Euro da.
Von den finanziellen Schwierigkeiten habe er seiner Frau nichts sagen wollen, um sie nicht zu belasten. Für ihn selbst sei es eine "Belastung von früh bis spät" gewesen, meinte er vor Gericht. Schließlich hätte er es nicht mehr verheimlichen können.
Angeklagter: "Es war kein Todeskampf"
Die Hacke habe er wenige Tage vor dem 13. Mai zu Mitternacht in einer Auslage gesehen: "Da war ich noch in der Apotheke, weil das Kind krank war. Da hab ich noch überlegt, wenn ich es überhaupt machen würde, dann wie. Weil es darf ja keine Kampfsituation sein." Er habe gedacht, ein "schneller Schlag" mit der Hacke auf den Kopf, und dann sei man bewusstlos: "Was in der Praxis auch so war. Es war kein Todeskampf", sagte der 39-Jährige. "Maximal ein, zwei Sekunden" hätten seine Opfer noch gelebt.
"Das Leben ist eine tödliche Krankheit"
Schon länger habe er angesichts der finanziellen Probleme Suizidgedanken gehegt: "Ich habe alles nur schwarz gesehen. Große Sorgen, Traurigkeit wären gekommen." Er hänge ja grundsätzlich nicht am Leben: "Das Leben an sich ist eine Krise. Das Leben ist eine tödliche Krankheit. Der Tod ist sowieso immer da." Er habe annehmen müssen, seine Tochter würde seinen Suizid nicht verkraften. Deswegen habe auch sie sterben müssen. Der Tod seiner Frau, seiner Eltern und seines Schwiegervaters seien wiederum als Folge davon unumgänglich geworden - der Schmerz über Nathalies Tod wäre für sie "einfach zu groß" gewesen, behauptete der 39-Jährige.
Staatsanwalt betonte Kaltblütigkeit
"Keines der Opfer wurde mit weniger als 13 Axthieben getroffen", betonte der Staatsanwalt. Speziell seine Mutter habe der Angeklagte "ganz übel zugerichtet". Auf den Tatortfotos der Polizei wären "praktisch keine Gesichtszüge mehr erkennbar". Bei seiner Tochter wiederum habe der 39-Jährige "versucht, ihr mit einem Fuchsschwanz den Kopf abzuschneiden". Neben der besonderen Brutalität verwies der Ankläger auf die "Kaltblütigkeit" des Angeklagten. Während Frau und Tochter in ihrem Blut lagen, hätte dieser "in aller Seelenruhe telefoniert" und seine Frau bei deren Arbeitgeber krankgemeldet. Danach habe er sich "in aller Gemütsruhe geduscht".
Bordellbesuch nach den Bluttaten
Nachdem der 39-Jährige in Linz mit dem Schwiegervater sein fünftes Opfer ums Leben gebracht hatte, sei er zurück nach Ansfelden gefahren: "Er hat sich in ein Bordell begeben und dort vergnügt." Später habe er, ehe er sich der Polizei stellte, noch eine weitere Prostituierte angesprochen. "Das ist etwas, was ich nicht verstehen kann und nicht verstehen will", bemerkte der Staatsanwalt. Unter gewaltigem Medienandrang ist der Prozess eröffnet worden. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Minutenlang wurde der PR-Manager gefilmt und abgelichtet, nachdem er auf der Anklagebank Platz genommen hatte.
Der Angeklagte beteuerte: "Ich musste mich hineinsteigern und die Gefühle wegdrängen."
"Habe mich zu Schlägen zwingen müssen"
Der Angeklagte versicherte, nicht kaltblütig gehandelt zu haben. Er habe sich vielmehr "den ganzen Tag in eine Konzentration zwingen müssen. Ich habe mich zu den Schlägen zwingen müssen. Ich wollte nicht schlagen! Ich musste mich hineinsteigern und die Gefühle wegdrängen, dass ich das machen kann." Er habe "zur Leidvermeidung" besonders heftig zugeschlagen, "nicht um Leid zu produzieren". So hätten seine Angehörige ihr Sterben nicht mitbekommen. Er sei "dankbar" für die Feststellungen des Gerichtsmediziners, wonach bei seinen Eltern innerhalb weniger Augenblicke Bewusstlosigkeit eingetreten sei.
Geschwister verschont: "Stehen mir nicht nah"
Auf die Frage, weshalb er seinen Bruder, seine Schwester und seinen Schwager verschonte, erwiderte der Angeklagte: "Die stehen mir nicht nahe genug. Da ist die Liebe nicht groß genug." Bei seinen Geschwistern handle es sich jedoch um "die wahren Opfer", da diese weiterzuleben hätten "und mit dem für sie Unfassbaren umgehen müssen". "Ich denke mir jeden Tag, was sie sich alles erspart haben", bemerkte der Angeklagte über die toten Familienangehörigen. Er müsse "bei dieser ideologisch-philosophischen Haltung bleiben, weil ich es sonst nicht aushalte".
Bordellbesuch war für ihn "Henkersmahlzeit"
Der Angeklagte erläuterte bereitwillig, weshalb er noch ein Bordell aufsuchte, nachdem er die fünf Menschen ermordet hatte: "Vor dem Tod gibt's eine Henkersmahlzeit. Ein Bordellbesuch hat keinen Funken mit Liebe zu tun. Die Männer verstehen, was ich meine. Dem Bordellbesuch messe ich keine Bedeutung bei. Es war die letzte Möglichkeit, mit einer Frau zu schlafen." Der danach geplante Selbstmord sei gescheitert, weil er auf der Rückfahrt nach Wien "kein Anfahrtsziel" gefunden habe. Obwohl er die Bundesstraße benützte, sei ihm kein Brückenpfeiler aufgefallen: "In den Gegenverkehr hineinfahren wollte ich nicht. Ich beschädige niemanden Dritten." Außerdem sei das Problem am Suizid, "dass es die hundertprozentige Sicherheit nicht gibt. Da geh ich lieber ins Gefängnis, als ich lieg' irgendwo verkrüppelt im Spital." Also habe er sich entschlossen, sich der Polizei zu stellen.
Urteil am Freitag erwartet
Sollte der Mann im Sinne der Anklage schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu 20 Jahre oder lebenslange Haft.
Der Geschworenenprozess findet im Großen Schwurgerichtssaal statt. Er ist für zwei Tage anberaumt. Mit einem Urteil wird am frühen Freitagnachmittag gerechnet.
wien.ORF.at
Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt dem Mann zwar eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, aber volle Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt. Psychiatrisches Gutachten
wien.ORF.at; 14.5.08
Innerhalb von zwölf Stunden soll der mutmaßliche Mörder fünf Familienmitglieder erschlagen haben. Familie mit Axt erschlagen
ORF; 6.11.2008, URL: http://wien.orf.at/stories/320118/