Laut Unterlagen ließ Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer seinen Kollegen Günter Striedinger bespitzeln. Kulterer bestreitet die Vorwürfe aber vehement:
Am 28. Oktober startet am Landesgericht Klagenfurt der Prozess wegen Bilanzfälschung gegen die Ex-Vorstände Wolfgang Kulterer und Günther Striedinger sowie Hypo-Vorstand Thomas Morgl. Schon vor Verhandlungsbeginn zeigt sich nun, wie tief die Gräben zwischen Kulterer und Striedinger vor Beginn der Swap-Affäre waren. Laut eines Artikels der "Oberösterreichischen Nachrichten" ließ Kulterer einzelne Bank-Mitarbeiter und seinen Vorstandskollegen von Detektiv Dietmar Guggenbichler bespitzeln. Ein über 100 Seiten umfassendes Dossier - Gesprächsprotokolle und Niederschriften Guggenblichlers - das der Kleinen Zeitung vorliegt, bestätigt diesen Verdacht.
"Schwachsinn". Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer bestreitet die Vorwürfe aber vehement: "Zu so einem Schwachsinn Stellung zu nehmen, ist mir wirklich zu blöd. Alle kennen den Herrn Guggenbichler und seine Methoden. Er hat seine Probleme finanzieller Art, die soll er erst einmal selbst lösen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich erpresst und denunziert worden bin. Dazu sage ich nichts."
Haider als Brückenbauer. Der angesprochene Guggenbichler wollte "am Telefon" nicht reden, auch Günther Striedinger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Brisant ist der Hintergrund, wie Guggenbichler und Kulterer zueinander fanden. "Nach dem Auffliegen der Spitzenaffäre, Guggenbichler hätte für die FPÖ Haider überwachen hätte sollen, bat er Landeshauptmann um Hilfe, wegen seinen Finanzen", erzählt Haider Sprecher Stefan Petzner. Man habe dann einen Termin bei Kulterer besorgt, "mehr haben wir aber mit der Sache nicht zu tun!"
Kredit. Guggenbichler wurde daraufhin ein 160.000 Euro Kredit gewährt. Abzahlen hätte er diesen mit dem Gehalt des BZÖ Sicherheitsbeauftragten sollen, dass ihm versprochen wurde, behauptet Guggenbichler. Petzner dementiert jegliche Job-Zusage an Guggenbichler.
Kleine Zeitung online, 03.10.2008 07:21
URL: http://www.kleinezeitung.at/kaernten/1562988/index.do
Wirtschaftsszene "Kärnten-Gate": Wenn Haider hilft, zahlt die Hypo für Spitzeldienste Das Paket mit deutlich über 100 Seiten an Dokumenten, das den OÖN nun, wenige Tage vor den Nationalratswahlen, auf den Tisch flatterte, birgt Sprengstoff. Zum einen enthält es Belege dafür, wie Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler im Frühsommer 2006 die Fronten wechselte, nachdem ihn die FPÖ mit Ermittlungen gegen BZÖ-Vormann Jörg Haider beauftragt hatte. Zum anderen enthält es Belege dafür, wie Haiders damaliger Vertrauter, der Chef der Hypo-Alpe-Adria-Bank, Wolfgang Kulterer, Bankmitarbeiter, Geschäftspartner und sogar seinen eigenen Vorstandskollegen Günter Striedinger bespitzeln ließ. Weiters umfasst das Aktenkonvolut auch Hinweise auf wenig saubere Geschäfte der Hypo-Alpe-Adriaam Balkan. Hypo-Kredit für den Detektiv Es war eine Art "Kärnten-Gate", das im Juni 2006 platzte. Die FPÖ hatte Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler mit Recherchen im Privatleben Jörg Haiders beauftragt. Die Affäre platzte und schlug Wellen weit über die Kärntner Politfolklore hinaus. Was bisher nicht bekannt war, geht aus den Dokumenten vor, die den OÖN vorliegen. Als Dank an Guggenbichler dafür, dass er den FP-Auftrag nicht erfüllt hatte, zeigte sich Haider erkenntlich. Zahlen durfte die Landesbank. Nach einem Anruf Haiders gewährte die Hypo dem finanzmaroden Privatdetektiv umgehend einen 160.000-Euro-Kredit. Dies bestätigt auch noch heute Haiders Pressesprecher Stefan Petzner: Haider sei als Landeshauptmann eben für seine Landsleute da. Über die weitere Interpretation scheiden sich aber die Geister: Während Guggenbichler im Gespräch mit den OÖN behauptet, Haider habe ihm versprochen, er werde Sicherheitsbeauftragter des BZÖ (um den Kredit zurückzahlen zu können), dementiert Petzner jegliche Zusage. Guggenbichler will nun freilich den Kredit nicht tilgen - er habe von der Hypo-Alpe-Adria noch Geld zu bekommen - für Aufträge Kulterers an ihn. Aufgrund dieser Aufträge wird Kulterer auch seinem Ex-Kollegen Striedinger einiges erklären müssen, wenn beide ab 28. Oktober wegen Verdachts der Bilanzfälschung vor Gericht stehen. Wie berichtet hatte die Hypo-Alpe-Adria im Oktober 2004 in kürzester Zeit 328 Millionen Euro verspekuliert. Kulterer, Striedinger& Co. hatten diese Verluste auf zehn Jahre verteilt abschreiben und so in der Bilanz verstecken wollen. Brisante Fotos und Protokolle Wie aus den Dokumenten hervorgeht, bespitzelte Guggenbichler für Kulterer nicht nur Striedinger sondern auch ein bei der Hypo beschäftigtes Ehepaar L.. Guggenbichler verfolgte Hypo-Mitarbeiter bis nach Kroatien und dokumentierte deren Treffen mit Geschäftspartnern auch mit Fotos. Pikant sind freilich die Protokolle von Telefonaten zwischen Kulterer und Guggenbichler, in denen sich die beiden beraten, wie man Guggenbichler das Honorar zukommen lassen könne. Im Gespräch sind Firmen im Ausland. Kulterer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (ben) Detektivfans: Banker Kulterer und sein Landeshäuptling Haider
Oberösterreichische Nachrichten, vom 24.09.2008 - Seite 011
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