Er ist Maler und hat 21 Jahre lang im selben Betrieb zur vollen Zufriedenheit seines Chefs gearbeitet. Was der Chef nicht wusste: Manchmal hat er die Kundinnen nach gewissenhaft erledigter Arbeit erdrosselt. Er ist Mitglied im Fußballverein seines Dorfes, im Schützenverein und im Kegelclub. Er sammelt Briefmarken, er spielt Akkordeon und Heimorgel. Bei Weihnachtsfeiern freuen sich alle, dass er selbstverfasste Gedichte vorträgt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, weder Frau noch Kinder hat er jemals geschlagen. Aber er ist ein Frauenmörder.
Der Würger von Regensburg
Er sieht sich selbst als ruhigen, zufriedenen Menschen, der Wert auf Ordnung und Sauberkeit legt. Er tanzt gern, hört am liebsten Volksmusik oder Schlager und liest Heimatromane. Er ist Hauptperson in einem der spektakulärsten Mordprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Dabei gesteht er, zwischen 1975 und 1993 sieben Frauen mit seinen bloßen Händen erwürgt und erstickt zu haben. Horst David, der "Würger von Regensburg". Weder er noch Gerichtspsychologen wissen, warum er es getan hat. Er, der Kavalier, der Akkordeonspieler, der Gelegenheitsdichter. Er hat es nicht getan, um seinen Sexualtrieb zu befriedigen, und er hat nicht aus Geldgier gemordet.
Als Kind ausgesetzt
Horst David, der von seiner Mutter als Fünfjähriger mit einem Schild um den Hals am Bahnhof in Hof ausgesetzt worden war, hat sich nie bemüht, nach den Morden an jungen Prostituierten oder älteren Frauen, Spuren zu verwischen. Es seien einfach immer "unglückliche Umstände" gewesen, gibt er zu Gerichtsprotokoll. Es ist nur ein Zufall, der die Ermittler der Münchner Mordkommission nach zwanzig Jahren auf seine Spur führt.
Neue Computerverfahren
In einen neuen Computer werden zu Testzwecken zwanzig Jahre alte Fingerabdrücke von unaufgeklärten Mordfällen eingegeben. Josef Wilfling, ein erfahrener Kriminaler und Psychologe, erkennt plötzlich Zusammenhänge. Der einbestellte Horst David legt Tag für Tag ein neues Geständnis ab. Sieben Morde gibt er zu, dann schweigt er - bis heute. Horst David wird mit lebenslanger Haft bestraft. Bis heute ist ungeklärt, was ihn zu den Morden trieb, welche Motive er hatte. Die faszinierend unkonventionellen Verhörmethoden des Ermittlers beleuchten die erschreckend normale Biografie eines Biedermanns, der zum Serienmörder geworden war. Das Dokudrama schildert auf Grundlage einer seit Jahren andauernden Recherche mit den Stilmitteln einer Semi-Dokumentation den Lebensweg und die Verbrechen des Frauenmörders.
Ulrich Tukur in die Rolle des Täters
Warum konnte Horst David in Deutschland so lange morden, ohne gefasst zu werden? In dem Dokumentationsdrama schlüpft der Schauspieler Ulrich Tukur in die Rolle des Täters. Die Doppelexistenz Davids interessiert den Schauspieler. Ulrich Tukur bekommt mit Einverständnis des Täters Einblick in Vernehmungsakten, das psychiatrische Gutachten und die im Gefängnis verfasste Lebensbeichte. Darüber hinaus stehen Tukur, der sich intensiv mit den Hintergründen dieser ebenso faszinierenden wie erschreckenden Biografie auseinandersetzt, mehr als hundert Briefe zur Verfügung, die Horst David aus der Haft an die Autorin Danuta Harrich-Zandberg geschrieben hat.
ARD, 1.8.2008, 21.45 Uhr
Mehr Infos zur Sendung: http://daserste.ndr.de/reportageunddokumentation/mann100.html